Wie schön, dass Sie den Weg zu mir gefunden haben.

Manchmal fühlt es sich an wie ein kräftiger Wirbelwind, der über unser Leben fegt und alles verändert.
Der Verlust eines geliebten Menschen bringt eine Welle von Trauer und Schmerz mit sich, die uns tief trifft und den Glauben an die Zukunft verlieren lässt.
Abschiednehmen bedeutet nicht, jemanden loszulassen, sondern sich selbst in einer neuen Welt ohne die geliebte Person zurecht zu finden und den Verstorbenen in diese zu integrieren. Veränderungen, die durch den Tod hervorgerufen werden, sind oft schwer zu begreifen, als würde die Zeit für einen Moment stillstehen, während die Welt um uns herum unaufhaltsam weitermacht.
In der Stille der Trauer kommen wir zu uns, wir lernen die Erinnerungen an die geliebte Person zu bewahren und versuchen neue Kraft aus ihnen zu schöpfen. Wir begegnen uns und dem Verstorbenen auf eine neue Art und Weise und finden Stück für Stück zurück zu mehr Vertrauen und Sicherheit.

Ich begleite Sie gerne auf dem Weg zu sich, zurück zu Ihren Kräften, hin zu ihrem geliebten Menschen.

Nie erfahren wir unser Leben stärker

als in großer Liebe und tiefer Trauer.

– Rainer Maria Rilke –

 Von der Natur inspiriert 

Für viele ist die Wilde Möhre, auch bekannt als Daucus carota, eine unscheinbare, weiß blühende Pflanze auf Wiesen und an Wegesrändern.

Für mich ist sie jedoch eine ganz besondere Pflanze, ein faszinierendes Beispiel für die Schönheit und Komplexität der Natur, die eine tiefe Symbolkraft in sich trägt.


Die Blüte der Wilden Möhre als Symbol für Halt und

Gemeinschaft in Zeiten der Trauer

 

Die Wilde Möhre gehört zur Familie der Doldenblütler und zeichnet sich durch ihren charakteristischen Blütenstand aus. Der Aufbau der Doldenblüte setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen. Da sind zum einen die Döldchen. Diese bestehen aus einer Vielzahl von kleinen, weißen bis leicht rosanen Blüten, welche zu einem Zentrum zusammenlaufen und somit in einem einzelnen Verbund stehen. Jede Blüte steht für mich symbolisch für ein Individuum, welches wiederum in ihrem Döldchen mit anderen Individuen zusammengefasst in Verbindung steht, z.B seiner Familie, seinem Freundeskreis, seinem Sportverein, seiner Schulklasse oder Arbeitsstelle. 

Zum anderen befindet sich im Zentrum der Dolde eine purpurrote Einzelblüte, auch Mohrenblütchen genannt. Diese Sonderblüte steht für mich symbolisch für den verstorbenen Menschen. Er/Sie steht im Zentrum der Aufmerksamkeit, der Gedanken und Erinnerungen. Er/Sie wird umringt von seiner Familie, seinen Freunden und Bekannten. Das Augenmerk liegt auf dem Mittelpunkt, dem/der Verstorbenen.

Gleichzeitig kann aber auch die betroffene Familie im Zentrum der Blüte bzw. des Geschehens stehen. Sie wird von helfenden Händen und liebevollen Mitmenschen umringt, die bereit sind Beistand zu leisten.  Diese solidarische Gemeinschaft ist von unschätzbarem Wert, denn sie erinnert uns daran, dass wir in schweren Zeiten nicht allein sind. So kann das Bild der Wilden Möhre zu einem besonderen Begleiter in schwierigen Zeiten werden. Es kann Angehörigen an Halt und Stärke durch Gemeinschaft, Trost, Hoffnung sowie Zuversicht erinnern.


Von der Blüte zum Samenkorn -

Trauer, ein Weg von Veränderung, Reife und Wachstum

 

Der Prozess der Trauer ist für mich vergleichbar mit der Entwicklung einer Pflanze. Für einen Menschen, der einen Verlust erfährt, ist dieser Wandel ein tiefgreifendes, emotionales Erlebnis. Vor dem Verlust fühlt man sich wie eine zarte, unberührte Blüte, voller Unbedarftheit und Lebensfreude.

Bricht ein Verlust über einen hinein, vergeht die Zeit wage. Man sieht das Licht nicht mehr, die Farben um einen herum erscheinen blass und man beginnt zu welken. Doch in dieser Phase ist es wichtig zu erkennen, dass die Trauer nicht das Ende ist, sondern ein Teil des Wachstums. Das Welken ist kein Vergehen, sondern eine Reifung. Die Blüte, die durch die dunkelsten Momente ihrer Existenz hindurch wachsen musste, entwickeln sich mit der Zeit weiter zu einem keimfähigen Samenkorn. Dieses trägt nun alle Erfahrungen, Erinnerungen und Informationen in sich.

Fällt dieses Samenkorn nun zur Erde, braucht es Zeit und Geduld, um zu keimen und feine Wurzeln in die Tiefe zu entwickeln.

Doch wann keimt ein Samenkorn?

Was braucht es dazu? Licht, Wasser, Wärme.

Wer in meinem Umfeld schenkt mir Wärme, was ist mein Wasser und wer mein Licht?

Wenn ich wieder aufkeime, werden meine Wurzeln stark genug sein, um mich bei Wind und Wetter aufrecht zu halten?

Schlummern nicht manche Samenkörner Jahre in der Erde, bis sie zu neuem Leben erwachen?

In der Reife des Samenkorns zeigt sich für mich das wahre Potenzial eines Menschen. Er hat die Fähigkeit die Dunkelheit zu durchleben und sich zu entwickelt. Mit der Zeit wird er die gesammelten Erfahrungen nutzen, um in der Welt wieder zu gedeihen. Trauer ist nicht nur ein Zeichen von Verlust, sondern auch eine Zeit von Wachstum, Erfahrung und innerer Reife.

Indem wir die Reise von der Blüte zum Samenkorn annehmen, können wir den Lauf des Lebens in seiner ganzen Tiefe verstehen und schätzen lernen.

Lass die Trauer bei dir sein,

bis die Zeit dich behutsam aus ihrer Umarmung löst.


– Irmgard Erath –